Reiseradler-Interview #27: Marc Maurer von „A Journey Beyond“

Das Bombtrack Beyond in freier Wildbahn © Joachim Rosenlund
Das Bombtrack Beyond in freier Wildbahn © Joachim Rosenlund

Auf der Eurobike 2015 habe ich am Stand des Kölner Radbauers Bombtrack Marc kennengelernt. Marc ist ein Bikepacker, der mit einem Cyclocrosser von Köln nach Istanbul und später nach Georgien und in den Iran gefahren ist. Natürlich kamen wir dann gleich ins Quatschen über unsere Georgien-Erfahrungen. Seine Art zu Reisen und sein Fahrrad finde ich sehr interessant. Daher habe ich ihn gleich zum Reiseradler-Interview gebeten, damit er mal erzählt, wie es so ist, auf schmalen Reifen über Stock und Stein zu fegen und mit minimalem Gepäck große Touren zu fahren.

Marc auf Tour © Marc Maurer

Marc auf Tour © Marc Maurer

Zum Warmwerden: Wie bist Du zum Radreisen gekommen?

Ich war viel und lange mit meinem Rucksack unterwegs. Nach meinem letzten, fast zwei Jahre dauernden Trip, bei dem ich kreuz und quer durch Asien gereist bin, war ich etwas gelangweilt von dem klassischen „Backpacking“. Dies schien mir zu einfach und zu wenig Abenteuer. Also lag es nahe, dass ich meine beiden Leidenschaften, das Reisen und Radfahren, kombinierte. Daher baute ich mir ein Reiserad auf und fuhr los Richtung Osten, von Köln nach Istanbul.

Ich war während dieses Trips so begeistert von dieser Art zu reisen, dass ich, anstatt von Istanbul zurück zu fliegen, einfach kehrtmachte und die gesamte Strecke, allerdings über eine andere Route, mit dem Rad wieder zurück nach Köln fuhr. Seid diesem ersten Trip bin und war ich vom Radreisen infiziert.

 

Zum Träumen: Wo warst Du schon überall und wo musst Du unbedingt noch hin?

Mit dem Rucksack war ich eigentlich fast überall in Asien unterwegs. Mit dem Rad bin ich bis jetzt ungefähr 13.000km Richtung Osten, von Köln bis Teheran, gefahren. Einer meiner Träume ist es, einmal mit dem Rad um die Welt gefahren zu sein.  Es gibt noch so viel zu entdecken auf dieser Welt, aber in meinem Kopf spuken immer wieder der Himalaya, der Pamir Highway, die Anden und Patagonien herum. Auch die Wildnis Kanadas will ich unbedingt live mit meinem Rad erleben.

Begegnung im Iran © Joachim Rosenlund

Begegnung im Iran © Joachim Rosenlund

Zum Nachmachen: Welches Land kannst Du empfehlen und warum?

Es kommt ja immer darauf an wie man reist und was man persönlich spannend findet. Ich fand zum Beispiel die Vielfalt der Landschaften und der Natur in Georgien sehr reizvoll und spannend. Diese Diversität in solch einem kleinen Land war schon beeindruckend. Als Reiseempfehlung kann ich auch ganz klar den Iran hervorheben. Die persische Gastfreundschaft ist einzigartig.

Gastfreundschaft im Iran © Joachim Rosenlund

Gastfreundschaft im Iran © Joachim Rosenlund

Zum Erfahren: Was hat Dich am meisten unterwegs beeindruckt?

Am meisten beeindruckt hat mich die Gastfreundschaft, die mir entgegengebracht wurde. Fast jeden Tag wurde ich eingeladen, sei es zum Essen, Trinken oder Übernachten. Manchmal haben auch Wildfremde einfach im Supermarkt für mich bezahlt, mit den Worten: „Welcome to my country! I hope you like my country! Be my guest!“. Unvorstellbar das man in Deutschland auf der Straße von der Polizei angehalten wird, um mit den Beamten zu quatschen und Tee zu trinken.

Teetrinken mit der iranischen Polizei © Joachim Rosenlund

Teetrinken mit der iranischen Polizei © Joachim Rosenlund

Zum Leben: Bist Du lieber alleine unterwegs, oder zu zweit? Und warum?

Eigentlich bin ich lieber alleine unterwegs, aber beide Arten zu Reisen haben ihre guten und schlechten Seiten. Ein Vorteil zu zweit oder in einer Gruppe ist sicherlich, dass man Erlebnisse, Eindrücke und Erfahrungen miteinander teilen kann. Wenn ich alleine unterwegs bin, fühlt es sich mehr nach Abenteuer an. Alleine ist man selbst für seine Entscheidungen verantwortlich, man kann seinen eigenen Rhythmus fahren und leben. Man kann ohne Kompromisse entscheiden wo, wie und wann man schläft, isst oder Pausen macht.

Irgendwo im Kaukasus © Marc Maurer

Irgendwo im Kaukasus © Marc Maurer

Zum Fahrrad: Stell es uns bitte mal kurz vor: Welche Komponenten sind an Deinem Rad dran?

Bei meiner Tour von Istanbul nach Teheran war ich mit dem Beyond Prototype von Bombtrack unterwegs. Ein Stahlrahmen, mit einem Mix aus Sram X5, X7 und Apex Komponenten, DT Swiss Laufrädern, Marathon Supreme Bereifung und Scheibenbremsen. Die original Übersetzung 28/42 und 11/36 brachte mich auch mit Gepäck über jeden Berg.

Zudem hatte ich einen SON Nabendynamo und das B&M E-Werk zum Laden meiner elektronischen Geräte dabei, Apidura Taschen, Ortlieb Frontroller und einen Syntace Lenkeraufsatz für eine entspannte Haltung auf langen Geraden.

Das Bombtrack Beyond © Joachim Rosenlund

Das Bombtrack Beyond © Joachim Rosenlund

Das tolle an dem „Beyond“ ist, dass man damit quasi überall ohne Probleme fahren kann und keine Abstriche im Bezug auf die Streckenplanung machen muss. Egal ob gut asphaltierte Straßen, oder schlechteste Offroad Pfade – alles ist damit möglich.

 

Zum Mitfühlen: Gab es Pannen unterwegs und falls ja, welche?

Auf meinen ca.13.000km, die ich bisher mit dem Rad gereist bin, hatte ich überhaupt keine technischen Probleme mit dem Rad, außer ein zwei Platten. Bis auf einen kaputten Pumpengummi an meinem MSR Kocher hatte ich auch mit meinem Equipment keinerlei Pannen oder Probleme.

In Armenien © Joachim Rosenlund

In Armenien © Joachim Rosenlund

Zum Wissen: Dein ultimativer Tipp für das Reisen mit dem Fahrrad?

Ich liebe es vor der Abfahrt nur eine grobe Route im Kopf zu haben. Im Voraus alles bis ins kleinste Detail zu planen, würde mich irgendwie stressen und die Freiheit nehmen.

Sei neugierig, vertraue auf dein Gefühl, höre auf Hinweise und Ratschläge von Locals und anderen Reisenden.

Reise so leicht wie möglich. Radfahren mit leichtem Gepäck macht sooo viel mehr Spaß, als schwer beladen. Was man nicht jeden Tag braucht, kann man eigentlich auch zuhause lassen.

Zum Nachdenken: Was ist schwerer: Losfahren oder Wiederkommen?

Was ich wirklich am Losfahren mag, ist dieses Gefühl der Freiheit. Die Fahrt ins Ungewisse, die Freude auf Kommendes, das Schmunzeln im Gesicht. Das Wiederkommen fällt da deutlich schwerer. Aber da ja immer neue Ideen und Reisen im Kopf umherschwirren und ich weiß, es geht irgendwann wieder hinaus in die Welt, fällt das Ankommen nicht so schwer.

Marc mit armenischen Soldaten © Joachim Rosenlund

Marc mit armenischen Soldaten © Joachim Rosenlund

Zum Abschluss: Was ist als nächstes geplant?

Mein Traum ist es, einmal mit dem Rad um die Welt gefahren zu sein. Wahrscheinlich starte ich meine nächste Tour dort wo ich die Letzte beendet habe und arbeite mich so langsam und in Etappen um die Welt.

Hier gibt es mehr über Marcs „A Journey Beyond“:

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