Sturmtage und Regenschlacht – Radfahren in Island

Schlechtwetter im Süden Islands

Was hört man nicht alles vom Wetter auf Island: Windböen, die Radler einfach so vom Rad reißen, Orkane, die selbst Sturmerprobte herausfordern, Regen, meist tagelang, mit Sturm und Schneefall dazwischen.

Und ja, diese Geschichten stimmen natürlich und umso mehr bin ich froh, dass ich so gutes Wetter hatte. Von 15 Reisetagen hatte ich nur 2,5 Tage schlechtes Wetter. Wobei schlechtes Wetter wirklich starken Regen, Sturm und Untergang bedeutet. Schlechtes Wetter ist nicht Sturm mit ab und zu Regenschauer. Das ist normales Wetter und stört eigentlich nicht weiter.

Besonders der Wind, nein der Sturm, hat mir viel zu schaffen gemacht. Mit bis zu 18 Metern pro Sekunde machte er das Radeln zur Schwerstarbeit. Bei diesem Gegenwind kommt man maximal auf 10 Kilometer pro Stunde. Und er war so stark, dass er mich samt Rad auch gerne mal quer über die Straße schob. Manchmal auch nur das Rad, während ich versuchte die richtige Windrichtung zum Pinkeln zu finden. Teilweise hat er sogar das Fotografieren erschwert, denn er drückte das Objektiv immer wieder weg, bzw schob das Rad, obwohl ich stand, einfach weiter.

Aber ich hatte Glück: insgesamt hatte ich nur ca 300 Kilometer Gegenwind, oder starken Seitenwind. Das reicht aber auch völlig und macht nicht wirklich Spaß. Aber es macht einen wieder demütig, nachdem man vorher mit 35 km/h vom perfekten Rückenwind durch das Land geschoben wurde. Bis die Straße ihre Richtung änderte…

Der Regen in Island ist sehr vielfältig. Wenn man Glück hat, dann fällt er einfach so vor sich hin, von oben nach unten. Mal stärker, mal schwächer. Manchmal auch als sogenannter Spray, so wie man es auch aus Schottland kennt. Aber oft, leider zu oft, fällt er seitlich, fast horizontal. Und natürlich dann so, dass er direkt ins Gesicht trifft. Und man kann sich nicht abwenden. Zusammen mit etwas Wind fühlt sich das dann an, als ob man sandgestrahlt wird.

Schlechtwetter im Süden Islands

Auf dem Weg durch die Skeithararsandur im Süden Islands, zwischen Skaftafell und Kirkjubæjarklaustur, fährt man durch ein No-Mans Land: eine graue, unbevölkerte Mondlandschaft, durchzogen von mächtigen Flüssen, die aus dem Vatnajökull-Gletscher kommen. Entstanden durch einen Vulkanausbruch zieht sich dieser Landstrich mehr als 100 Kilometer von Ost nach West.

In diesem unbesiedelten Gebiet ist man als Radfahrer hier besonders dem Wetter und der Monotonie der Landschaft ausgeliefert. Als ich hier entlang fuhr, auf meinem Weg nach Vik, lagen dicke Wolken im Tal. Ein dichter Vorhang aus Sprühregen schloss mich ein. Teilweise konnte ich kaum mehr als 50 Meter sehen.

Sturm kam auf, der Regen wurde dichter und härter. Ich fuhr und fuhr. An Pausen war nicht zu denken, denn sofort kühlte ich aus. Die Temperaturen lagen um die 9 Grad. Zudem schob der Sturm mich und mein Rad einfach weg. Der Regen trieb um mich herum. Mal peitschte mir das Wasser von vorne ins Gesicht, mal trieb es den Regen von hinten durch die Luftschlitze meiner Regenjacke. Das war aber egal, Schwitzwasser hatte die Jacke ohnehin bereits von innen fest im Griff.

Nach 140 Kilometern erreichte ich komplett durchnässt Vik, eine kleine Stadt am Meer. Leider war ich damit aber vom Regen in die Traufe gekommen, denn Vik zählt mit mehr als 200 Tagen im Jahr zu den niederschlagsreichsten Islands. Und das stellte sie auch gleich mal ordentlich unter Beweis.

Mit klammen Fingern baute ich mein Zelt auf dem örtlichen Zeltplatz auf und nahm erst mal eine heiße Dusche. Eigentlich waren es 10 Duschen. Und nachdem ich mich umgezogen hatte, entdeckte ich nicht nur einen leichten Wassereinbruch in meinen Ortlieb-Taschen, sondern auch einen Trockner, der meine Sachen wieder in Ordnung brachte. Durch die hohe Luftfeuchtigkeit und das anhaltend regnerische Wetter gab es sonst keine Möglichkeit, die Klamotten zu trocknen. Und nach gefühlt 8 Tassen Kaffee hatte ich mich dann auch mit dem Wetter wieder versöhnt.

Am nächsten Morgen hatte sich der Regen etwas abgeschwächt, aber dichte Wolken lagen über dem Ort. Der Sturm hielt an, hatte aber die Richtung gewechselt. Ich überquerte noch zwei Pässe und so plötzlich in diesem Land Regen und Sturm kommen, so plötzlich war die Sonne wieder da und trocknete jede Erinnerung an die letzten regnerischen Tage aus.

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